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Erwin Vetter

  • * 13. Juni 1900
  • † 19. September 1986
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Erwin Vetter

PZ-Kunstfahrt ruft die Kunst von Wilhelm Hager in Erinnerung

24/05/2013

ie sind gleichermaßen bewegt: die Lebensgeschichte und die Kunst des Wilhelm Hager. Zu erleben gibt es sie hautnah und intensiv bei einer PZ-Kunstfahrt am Samstag, 25. Mai, mit Regina Fischer.

Der Künstler Wilhelm Hager mit dem Bronzekopf von Theodor Heuss

Doch beginnen wir mit der Vita: Geboren wird Hager 1921 in Karlsbad, jenem weltbedeutenden Kurbad, das zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch die Atmosphäre der österreichisch-ungarischen Monarchie atmet. Berühmt ist die Stadt in der damaligen Tschechoslowakei für ihre Porzellanindus-trie. Bereits mit 14 Jahren besucht Wilhelm Hager die Staats-Fachschule für Porzellan und kommt – gerade mal 16 geworden – als Stipendiat an die Hochschule für Bildende Künste in Weimar zu Walter Klemm, dem früheren Meister der Druckwerkstatt am Bauhaus. Doch schon 1939 wechselt der junge Künstler als Werkstudent in die Bildhauerklasse der Hochschule für Bildende Kunst in Berlin, ist in der berühmten Ateliergemeinschaft Klosterstraße zugange, steht im engen Austausch mit Käthe Kollwitz.

Doch 1941 kommt die Einberufung, zwei Jahre später die schwere Kriegsverletzung in Russland. Der 22-Jährige wird in Pforzheim und Illingen stationiert – und bleibt. Denn dort lernt er seine spätere Frau Irmgard Kilian kennen. Sie steht ihm Modell, er zeichnet. Sie gründen einen Haushalt, schenken fünf Kindern das Leben. Und versuchen sich mit seiner Kunst finanziell über Wasser zu halten. „Bis 1959 hatten wir kein fließendes Wasser“, erinnert sich Sohn Wolfgang.

Prestigeträchtig und lukrativ

Obwohl Hager schon 1951 den „Württembergischen Kunstpreis der Jugend“ erhält. Ausgesprochen prestigeträchtig und lukrativ ist der Porträtauftrag, den Hager 1953 vom Deutschen Literaturarchiv in Marbach erhält: Er soll Porträtbüsten berühmter Deutscher fertigen. 1954 entsteht die Bronze von Autor Stefan Andres („Wir sind Utopia“ von 1942). Im gleichen Jahr trifft er Thomas Mann in Kilchberg am Zürichsee und Hermann Hesse in seiner Dichterklause in Montagnola. Theodor Heuss schließlich 1958 will eigentlich selbst nach Illingen kommen, doch dann reist Hager zu ihm nach Bonn. In den nur wenigen Stunden, die seine Modelle für ihn Zeit haben, gelingt es dem jungen Bildhauer, ihr Wesen, ihre Mimik und ihre Lebendigkeit einzufangen. „Während der Blick dem zu Porträtierenden folgt, setzen die Hände das Gesehene in Ton um“, schilderte Kunsthistoriker Michael Ernst.

Die Büsten sind ein Erfolg, befinden sich heute unter anderem in der Landesbibliothek Stuttgart, im Schillermuseum Marbach und im Metropolitan Museum in New York. Hager könnte sich zufrieden zurücklehnen – doch er geht wieder das volle Risiko. Informelle Kunst reizt ihn, das Spiel mit Farbe, Bewegung, Fläche. Großformatige, abstrakte Bilder entstehen, mittels Honigkännchen wird die Lackfarbe aufgetragen und mit dem Föhn bearbeitet. Der 40-Jährige schließt sich dem Künstlerkreis um die Stuttgarter Galerie Senatore an und reüssiert erneut.

Skulpturen aus Alusil

In den frühen 1960er-Jahren organisiert die Mailänder Galerie Vinciana Ausstellungen in Mailand, Rom, Paris, London und New York mit Hagers informellen Aquarellen. Dort ist auch der Bildhauer Hager experimentierfreudig: Skulpturen aus Alusil (eine Mischung aus Aluminium und Silikon) entstehen. Die Form schneidet er mit einem heißen Draht aus einem Styroporblock – rasch, spontan, so wie seine gesamte Arbeitsweise. Gerade im öffentlichen Raum können die Arbeiten Hagers glänzen: Das 28 Meter breite und 1,40 Meter hohe Relief an der Stromberghalle Illingen (1966), der fröhliche Weinhurgler bei der Kelter Mühlacker, das Kriegerehrenmahl Marbach am Neckar, um nur einige zu nennen.

Hochdekoriert, unter anderem mit der Karlsbad-Plakette und der Ehrenprofessur der Fachhochschule für Porzellan, stirbt Wilhelm Hager fast völlig erblindet am 14. Oktober 2006 in Illingen. Unvergessen ist der Künstler bis heute – auch weil seine Kinder die museale Galerie Hager auf dem Illinger Hummelberg eingerichtete haben, die mit rund 100 Arbeiten die ganze Vielfalt seines Schaffens dokumentiert – von der gemäßigten Moderne aus der Berliner Zeit bis hin zu seinen eindrucksvollen Skulpturen der späten Jahre.

Autor: Sandra Pfäfflin

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