Marianne_Schneegans

Marianne Schneegans

* 10. Dezember 1904 † 15. August 1997

Marianne Schneegans war eine deutsche Malerin und Kinderbuchillustratorin. 

„Ihre Illustrationen zeigen viel Liebe zum Detail. Sie vermitteln unbeschwerte Heiterkeit mit spitzbübisch frechem Augenzwinkern. So geraten feine Damen oder Hühner fast immer zu Karikaturen. Die uns suspekt gewordene sogenannte „heile Welt“ ihrer Bilder entstand auch in den schweren, allein durchlebten Kriegs- und Nachkriegsjahren, was man nicht auf Oberflächlichkeit oder Weltfremdheit zurückführen darf. Vielmehr schöpfte sie die Heiterkeit aus dem Reichtum ihrer eigenen Kinderzeit und einer immensen Willenskraft“, so charakterisiert die Tochter Irmgard Bossert die Künstlerin.

Neben den Kinderbuchillustrationen und Adventskalendern entstand auch eine große Anzahl akribisch beobachteter Blumenaquarelle. Irmgard Bossert: „Die Pflanze oder Blüte stand vor ihr, wenn sie sie zunächst mit Bleistift zeichnete. Am 3. oder 4. Nachmittag wurde es aufregend, denn dann griff sie zum dicken Pinsel und legte den Hintergrund an. Er sollte lebendig wolkig sein, durfte aber keine Ränder bekommen. Das war eine heikle Arbeit, bei der sie keine Störung ertrug, und nur höchste Ansprüche an das Papier ermöglichten das gewünschte Ergebnis. In den nächsten 14 Tagen oder mehr vertiefte sich meine Mutter ganz in die Farbgebung der Blüten, Blätter, Gräser und Mose. In jedem noch so geringen Unkraut entdeckte sie Eleganz, Voll-kommenheit und Schönheit.

Vita

  • 1904
  • Am 10. Dezember wurde Marianne Schneegans als dritte von vier Schwestern in Kreuznach geboren. Ihre Mutter Clara, geb. Behler entstammte einer Koblenzer Kaufmannsfamilie, der Vater Ferdinand Schneegans war Weinkommissionär in Kreuznach.

    Die Familie lebte im angesehenen Bäderviertel in Kreuznach. Mit ihren Schwestern verlebte sie eine un-beschwerte Kindheit. Die kindliche Phantasie, bildnerisches Gestalten und Musik der Schwestern wurden stets gefördert. Bereits im Alter von 5 Jahren zeigte sich ihre Lust am Zeichnen. Als sie 12 Jahre alt war, wurden Zeichnungen von ihr in einem Buch mit dem Titel „Der Genius im Kinde“ veröffentlicht. Wie ihre beiden Schwestern besuchte Marianne Schneegans das örtliche Lyzeum, das als beispielhaft fortschrittliche Reform-schule galt.
    Die bedrückenden Jahre des Ersten Weltkriegs und mehrere lebensbedrohliche Erkrankungen beendeten diese sorglosen Jahre.

  • 1924
  • Studium an der Kunstakademie in Berlin. Unter Professor Ludwig Bartning bekam sie erste Kontakte zur Blumenmalerei.

  • 1928
  • Nach einem kurzen Zwischenspiel als Zeichenlehrerin an ihrer ehemaligen Schule, um sich das Geld für weitere Studien zu verdienen, wechselte sie an die Stuttgarter Akademie in die Klasse von Prof. Hans Spiegel, wo der Schwerpunkt auf der Darstellung von Figürlichem und Bildlichem lag. Hier traf Marianne Schneegans ihren späteren Mann, den aus Maulbronn stammenden Künstler Robs Mayer.

  • 1930
  • Bei mehreren Verlagen erschienen in den folgenden Jahren, von ihr illustriert, 18 Bilderbücher, 19 Kinderbücher, 19 Adventskalender, 35 Schutzumschläge, sowie zwei illustrierte Gedichtbände Freude mit Blumen und Freude an Tieren. Ihr bekanntestes Buch war wohl die Rätselstiege. Der Rudolf Schneider Verlag Reichenau / Sachsen, der Thienemann Verlag Stuttgart, Ackermanns Kunstverlag Zürich und München, der Michel Verlag Nürnberg, der Korsch Verlag Gilching sowie zahlreiche andere Verlage gehörten zu ihren regelmäßigen langjährigen Auftraggebern. Außerdem arbeitete sie durch Beiträge in den Schülerzeitschriften "Der Sommergarten" und "Jugendlust" sowie in "Auerbachs Kinderkalender" mit.

    Ebenfalls ab 1930 bis in die 1950er Jahre schuf sie phantasievolle Adventskalender, die weit verbreitet waren. Auch die Zwergenkalender, von denen sie nach 1950 mehrere Jahrgänge für verschiedene Verlage (Michel, Korsch) malte, fanden großen Anklang.

    Fast gleichzeitig mit den Aufträgen im figürlichen Bereich wurde Marianne Schneegans als Blumenmalerin engagiert. Die beliebten Blumenpostkarten in Ackermanns Kunstverlag entwickelten sich zur zweiten Säule
    ihres Schaffens und erlangten internationale Verbreitung.

    Ab 1936 bis zum Ende ihres künstlerischen Schaffens entstanden über 200 Blumenstücke. Für Industrie und Wirtschaft entwarf Marianne Schneegans Verpackungen sowie Anzeigen und Werbung, beides häufig von subtilem Humor gekennzeichnet.

  • 1931
  • Eheschließung am 19. September mit Robs Mayer. Für die nächsten 28 Jahre ließ sich das Paar in Maulbronn nieder. Das Ehepaar versuchte, sich als freischaffende Künstler eine Existenz aufzubauen. Marianne Schneegans entwarf Grußkarten, die Robs Mayer, der gelernte Graveur, als Kupferstiche ausführte und selbst druckte. Bereits während ihres Studiums war der Kinderbuchverlag Thienemann Stuttgart auf Marianne Schneegans aufmerksam geworden. Eine jahrzehntelange Zusammenarbeit entstand.

  • 1939 - 1948
  • Vom Beginn des Zweiten Weltkriegs bis 1948 war Marianne Schneegans mit ihrer Tochter auf sich allein gestellt, da sich ihr Mann, Robs Mayer, erst im Krieg und danach in französischer Gefangenschaft befand. Es gelang ihr, auch in diesen schwierigen Jahren den Lebensunterhalt für sich und ihr Kind ausschließlich mit ihrer Malerei zu verdienen.

  • 1950
  • Mehrere Kindergärten in der Umgebung Maulbronns wurden von ihr durch Wandgemälde künstlerisch ausgestaltet.

  • 1959
  • Marianne Schneegans zog nach Meisenheim am Glan, wo ihr Mann, Robs Mayer, eine Anstellung als Kunsterzieher am Paul Schneider Gymnasium gefunden hatte.

  • 1960
  • Den stilistischen Wandel der Kinderbuchillustration Anfang der 1960er Jahre vollzog Marianne Schneegans nicht mehr, zumal ihre Hände durch eine rheumatische Krankheit beeinträchtigt waren. Sie nahm aber in Zusammenarbeit mit dem Michel Verlag Nürnberg, die 1953 erstmals erschienenen Zwergenkalender wieder auf und malte drei weitere Jahrgänge (1967–1969), die in vielen Kinderzimmern hingen.

  • 1970
  • Marianne Schneegans malte und zeichnete bis in die 1970er Jahre.

  • 1997
  • Am 15. August 1997 verstarb Marianne Schneegans in Meisenheim.
    Der künstlerische Nachlass liegt in den Händen der Tochter Irmgard Bossert.

  • 2011
  • 2011 erhielt, im Bad Kreuznacher Neubaugebiet "Rheingrafenblick" eine Straße, in Erinnerung an Johann Wilhelm Schneegans, Ferdinand Schneegans und Marianne Schneegans, den Namen „Schneegansstraße“.

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